Instagram Influencer JA oder NEIN? Die dunkle Seite der Foto-Sharing-Plattform

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Influencer Marketing ist auch 2019 weiter am wachsen – doch Firmen erwarten mehr und mehr Belege dafür, dass Reichweiten und Interaktionen echt sind. Wir erklären in diesem Beitrag wie es zu Fake- Instagram Influencer kommt und wie man diesen auf die Schliche kommen kann.

Influencer oder Influenza?

Authentische Instagram Profile mit vielen Followern haben eine hohe Reichweite und können für Unternehmen hinsichtlich Produktplatzierung und Werbung relevant sein. Für Unternehmen ist es jedoch oft schwierig zu überprüfen ob Follower, Reichweite und Interaktionen auf einem Instagram Kanal eines Influencers echt sind oder nicht.

Als Fake-Influencer bezeichnet man Personen, die künstlich ihre Followerzahl nach oben treiben um so relevanter für Unternehmen zu werden. Werbung auf Fake-Profilen ist so effektiv wie Staubsaugen in der Wüste.

Laut Hypeauditor sind nur rund 36% aller Influencer Profile im deutschen Raum „fraud-free“, also verschont von getürkten Follower-Zahlen. Genau aus diesem Grund is es für Unternehmen wichtiger denn je genau zu überprüfen mit welchen Influencern sie zusammenarbeiten wollen.

Wie kommen Fake Influencer zu ihren Followern? Die 3 möglichen Wege

1.) Follower kaufen

Der einfachste Weg ist es Follower zu kaufen. Es genügt „buy instagram followers“ zu googlen und man bekommt bereits eine Preisliste vorgeschlagen.

Quelle: https://www.idigic.net/buy-instagram-followers/

50.000 Follower für $250 Dollar scheint ein sehr guter Deal zu sein, wenn man bedenkt das Profile in dieser Größenordnung einige hundert bis mehrere tausend Euro pro Werbeposting kassieren.

Dabei muss zwischen 2 Typen an Fake-Followern unterschieden werden:

  1. Personen die dafür bezahlt werden Instagram Profile zu liken. Ja, das gibt’s…
  2. Konten, die nur deshalb registriert wurden, sogenannte bot-farms. Hier handelt es sich um gefälschte Accounts die auch regelmäßig von Instagram gelöscht werden.

Damit die Kommentare / Follower Ratio nicht zu sehr in den Keller fällt und der Betrug augenscheinlich wird, können genau so auch Likes und Kommentare gekauft werden.

2.) Follow/unfollow-Methode und der #hashtag-Schmäh

Wohl jeder Instagram Nutzer kennt dieses Phänomen der follow/unfollow-Methode. Dieser Trick könnte simpler nicht sein:

  • Ein Influencer folgt dir, liked oder kommentiert dein Foto
  • Du bekommst eine Benachrichtigung und folgst dem Profil zurück
  • Nach ein paar Tagen entfolgt der Influencer dir wieder, hat dich jedoch ab sofort unter seinen Fans

Mittlerweile gibt es eine Menge an Tools die dies automatisiert haben. Gegen einen geringen Preis folgen und entfolgen diese Tools im Namen des Influencers potentiellen Fans.

Der Trick mit dem #hashtag funktioniert ganz ähnlich: Je mehr Hashtags unter einem Posting (oder in einem Kommentar) sind desto mehr Likes und Follower bekommt man. Vor allem aussagenleere Hashtags wie #girl #food #austrianblogger #beach sind ein Indiz dafür, dass der Influencer bewusst Follower triggern will.

3.) Interaktionen Pods

Solche Pods sind Gruppen von Bloggern und Influencern die gegenseitig ihr Beiträge liken um so die Accounts künstlich aufzublasen. Meist werden solche Aktivitäten in Chats oder Facebook Gruppen verabredet. Diese Vorgehensweise ist schwer zu erkennen da echte Personen echte Kommentare schreiben ohne das Bots im Spiel sind. Mit diversen Tools lässt sich auch dies jedoch aufdecken.

Fake Influencer erkennen – ein Fallbeispiel

Wir zeigen an Hand einer Influencerin aus Linz mit rund 20.000 Followern wie man erkennen kann, wieviele der Follower echte Personen und somit potentielle Kunden sind.

Ein Blick auf die Follower genügt oft schon um zu erkennen wie authentisch diese sind.

Instagram Influencer Fake
Instagram Influencer Fake

Es entpuppen sich viele der Follower als andere Influencer oder auch Unternehmen. Auch einige offensichtliche Fake-Profile sind dabei.

Mit diversen Tools kann man auch Statistiken zu Herkunft der Follower erstellen:

Instagram Influencer Fake Follower
Instagram Influencer Fake Follower

Von den rund 20.000 Followern sind nur 6.700 aus Österreich, knapp 600 leben auch in Linz. Hinzu kommen noch Nutzer bei denen Instagram die Herkunft nicht ermitteln kann. Wir rechnen großzügigerweise mit 10.000 Followern aus Österreich und rund 1.000 Followern aus Linz. Für Linzer Unternehmen wird diese Influencerin somit schon sehr viel weniger relevant.

Doch Moment wir sind noch nicht fertig…

Die Qualität-der-Follower-Statistik verstärkt den Verdacht, dass viele der Follower Bots, andere Influencer oder Fake Accounts sind:

Instagram Influencer Fake

Nur 57.7% der Follower sind echte Personen, wodurch sich die echten Follower die in Österreich leben auf rund 5.770 Personen reduziert.

Im nächsten Schritt betrachten wir die Interaktionen. Mit Hilfe diverser Software können wir ermitteln, dass ein durchschnittliches Posting rund 219 Likes und 10 Kommentare erzielt. Wobei auch einige Gewinnspiele unter den Postings sind, welche ein liken oder kommentieren oftmals als Voraussetzung haben. Die durchschnittliche, natürliche Interaktionsrate liegt somit bei unter 1% der Anzahl der Follower. Nichtmal jeder 100ste Follower liked oder kommentiert die Postings.

Instagram Influencer Fake

Dieser Account zeigt auch Anzeichen der follow-unfollow Methode. Beinahe täglich werden Accounts geliked und entliked. Die gesamte Followerzahl ist seit Juli 2017 rückläufig. Dies deutet darauf hin, dass sehr viele Follower nicht echt waren. Im Jänner 2019 wurde ordentlich „aussortiert“ und gleich rund 400 Accounts entfollowed.

Wir können auch ermitteln, das rund jedes 4te Posting (24%) auf diesem Kanal ein Werbeposting ist. Ein Blick auf die Postings verrät ausserdem dass rund 30 Hashtags pro Posting verwendet werden um so zusätzliche (Massen)-Follower zu generieren.

Die ReichweitenRechnung

Zu guter Letzt werfen wir noch einen Blick auf die Reichweiten. Postings auf einem Kanal mit 20.000 Followern erzielen meist eine Reichweite von rund 40%. Wenn wir das auf die ÖsterreicherInnen runter rechnen, sehen rund 2.300 Personen diesen Beitrag auch (der mehrere Hundert, vielleicht sogar Tausend Euro kostet). Wieviele von diesen dann konvertieren und tatsächlich ein Produkt kaufen ist natürlich fraglich.

Unser Urteil: Wir würden diese Influencerin keinem Unternehmen empfehlen.

Alles Fake?

Nein, Instagram Influencer Marketing kann durchaus Sinn machen. Jedoch müssen Unternehmen ganz bewusst überlegen mit wem sie zusammenarbeiten wollen. Die Situation mit den gekauften und gefakten Followern hat dazu geführt, dass viele große Handelskonzerne auf sogenannte Micro-Influencer setzen. Also Personen, die nur wenige tausende Follower haben und auch nicht auf Follower-Wachstum aus sind.

Als Tipps können wir Unternehmen folgende Punkte mitgeben:

  • Achten Sie auf die oben genannten Punkte, es ist nicht alles Gold was glänzt.
  • Suchen Sie Instagram Influencer die bewusst zu einem – für Sie relevanten – Thema posten. Influencer die bei ihren Werbebeiträgen zwischen zu vielen Themen hin und her wechseln haben nur wenig Glaubwürdigkeit in der Community.
  • Micro-Influencer haben meist das beste Preis-Leistung-Verhältnis. Also lieber drei kleinere Influencer mit echten Fans, als ein großer mit vielen Fake-Fans.
  • Werbeausgaben kalkulieren. Ein Posting bei einem mittelgroßen Instagram Influencer kann schnell mal €1.000 kosten – das selbe Budget in „normaler“ online-Werbung liefert meist bessere Ergebnisse.